Scrum Deutschland – über die Scrum Konferenz am 6.11.2015 in Düsseldorf

Wie geht es der bekanntesten Implementierung agiler Methoden? Wie ist der Status von Scrum? Das Framework ist nun 20 Jahre alt und scheinbar von einer Utopie im Bewusstsein weniger leidgeprüfter Softwareentwickler, zumindest nominell, in der Mitte der Softwareindustrie angekommen. Der Einsatz agiler Methoden unternehmensweit steht auf der Agenda vieler Organisationen und hat die Grenzen der Softwareentwicklung längst überschritten. Worin liegen nun also die aktuellen Herausforderungen?

Scrum Deutschland Opening
Dieser Frage widmete sich die Konferenz "Scrum Deutschland", nach dem Scrum Day Europe die erste Iteration dieser Konferenz-Reihe auf deutschem Boden – ausgerichtet durch ein niederländisches Unternehmen (Prowareness) in Düsseldorf.

Während an vielen Stellen noch mit den Kinderkrankheiten der Einführung gekämpft wird und Begriffe wie "Fassaden-Scrum" das Phänomen bezeichnen, dass oftmals doch noch nicht das drin ist was drauf steht, wird an anderer Stelle bereits viel weiter gedacht. Scrum wird auf anderen Feldern adaptiert. Die Konferenz nahm Prowareness zum Anlass ihr neues Buch zu präsentieren: "Scrum für Manager". Und es wird an der Skalierung gearbeitet. Womit wir auch beim Schwerpunkt der Veranstaltung wären:

Gunther Verheyen, Kompagnon von Kent Schwaber bei Scrum.org, rückte die DNA von Scrum in seiner Keynote in den Mittelpunkt: Empirie, Selbstorganisation und Transparenz. Auf dieser Basis könne man auch über das Scrum-Team weit hinausgehen. Einfacher wird die Implementierung dadurch allerdings nicht. Und das Diagramm zu Nexus als skalierte Weiterentwicklung eines Teams mit einer Handvoll interagierender Menschen im einstelligen Bereich zu einer schlagkräftigen Hundertschaft hat gegenüber den schön einfachen Scrum-Grafiken (siehe hier nochmal unsere Interpretation von Scrum als Diagramm) deutlich an Übersichtlichkeit und Transparenz eingebüßt. Die größten Herausforderungen lägen darin, die Abstimmungen zu organisieren um sie so gering wie nötig zu halten, Abhängigkeiten frühzeitig zu identifizieren und deren Auflösung zu adressieren. Um so wichtiger sei es, sich immer wieder auf die DNA zu besinnen.
Scaled Professional Scrum/Nexus, Gunther Verheyen

Damit war der Tenor der Konferenz gesetzt. Der Spagat zwischen professionellen, erfahrenen Wissensträgern, die Scrum leben und atmen einerseits und mehr oder weniger sinnvollen bestehenden Strukturen, die sich mit der Adaption aus unterschiedlichsten Gründen doch sehr schwer tun. Scrum alleine sei kein Allheilmittel. Die Exzellenz in dem was man tut (hier: Softwareentwicklung) sei in keinster Weise zu vernachlässigen. Der Fokus auf eine gesunde Codebasis und das Tooling im Kontext von automatisierten Tests und Continuous Delivery sei der Schlüssel um auch im größeren Rahmen schlagkräftig zu werden und zu bleiben.
The Path from Scrum to Organizational Agility, Mikkel Toudal Kristiansen

Es wurde der Frage, wie agil Unternehmen, insbesondere deutsche, mittlerweile ihre Projekte umsetzen, auf den Grund gegangen. Die aktuellsten Studien des BPM-Labors in Koblenz zeigen, dass die Erfolge den Stringenten, der reinen Lehre folgenden, recht gäben. Doch andererseits sei ein bisschen agil immer noch besser als gar nicht.
Scrum – Maßgeschneidert. Auf dem Weg zu einem situations- und organisationsgerechten agilen Ansatz, Prof. Dr. Ayelt Komus

Anhand eines Erfahrungsberichts wurden abschließend beispielhaft Probleme und Lösungen im Umfeld von Konzernstrukturen und im Umgang mit einer SAP-Einführung präsentiert. Die Grenzen von Scrum seien nicht ausschließlich durch die beteiligten Menschen gesetzt. Selbst bei voller Management-Unterstützung komme man um Improvisation und Kompromisse nicht herum, wenn es darum geht Dinge erledigt zu bekommen.
Scaling Agile@Ford - Ein Erfahrungsbericht, Ralph Gruber

Bei allen Erfolgen bleibt also noch eine Menge zu tun, sowohl im Bereich der immer währenden Bemühungen Agilität zu proklamieren und in die Köpfe aller Beteiligten zu bekommen, als auch in der skalierten Umsetzung dieses sehr knapp gehaltenen und doch so weitreichenden Frameworks namens Scrum. Hierbei war die Ausrichtung dieser gelungenen Konferenz "Scrum Deutschland" ein großer weiterer Schritt.

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